Was verbirgt sich hinter Diabetes?

Diabetes Mellitus oder die Zuckerkrankheit ist ein Sammelbegriff für verschiedene Störungen des menschlichen Stoffwechsels, bei denen eine Überzuckerung des Blutes (Hyperglykämie) der zentrale Befund ist. Unterschieden werden zumeist zwei Arten von Diabetes:
1. Typ-1-Diabetes Mellitus: Hierbei führt eine Zerstörung der Betazellen der Langerhans-Inseln des Pankreas zum absolutem Insulinmangel.
2. Typ-2-Diabetes Mellitus: Diese kann sich von einer Insulinresistenz mit relativem Insulinmangel bis hin zu einem absoluten Insulinmangel im späteren Krankheitsverlauf erstrecken.

Aktuellen Annahmen von Experten zur Folge sind ca. fünf bis zehn Prozent der an Diabetes erkrankten Menschen an Typ 1 erkrankt, ca. 90% an Typ 2. In absoluten Zahlen werden insgesamt über 7 Mio. Menschen in Deutschland wegen eines Diabetesbefunds behandelt. Die Diabetesprävalenz wächst dabei stetig. Zwischen 1989 und 2007 etwa stieg der Anteil der an Diabetes Erkrankten an der Gesamtbevölkerung von 5,9% auf 8,9%.

Wie kommt es zur Entstehung von Diabetes Typ 1 und 2?

Der Verdauungsapparat des Menschen baut die mit der Nahrung aufgenommenen Kohlenhydrate zu Glukose (Traubenzucker) ab, welche dann über die Darmwand in das Blut aufgenommen und schließlich im gesamten Körper verteilt wird.

Die Bauchspeicheldrüse erzeugt dabei Insulin. Insulin, ein Hormon, vermittelt an den Zellen den Transport von Glukose in das Innere der Zellen, wo die Glukose zur Gewinnung von Energie verbraucht wird. Dieser Vorgang wird als Glykolyse bezeichnet. Zudem bewirkt Insulin eine Speicherung von Glukose in Form von Glykogen in der Leber und den Muskelzellen. Hierdurch kann der Blutzuckerspiegel nach der Nahrungsaufnahme (mehr oder weniger) konstant gehalten werden. Selbst in länger andauernden Zeiten des Nüchternseins bleibt der Blutzuckerspiegel so auf einem normalen Niveau, woran vor allem die Leber beteiligt ist. Sie sorgt dafür, dass einerseits das zuvor gebildete Glykogen wieder in Glukose aufgespalten und zurück ins Blut abgegeben wird, und andererseits ständig neue Glukose produziert werden kann, was auch als Gluconeogenese bezeichnet wird. Wenn die insulinproduzierenden so genannten β-Zellen nicht mehr ausreichend oder sogar gar kein Insulin mehr produzieren können, entfallen die Glukose-Aufnahme in die Körperzellen sowie auch die Hemmung der Glukose-Neubildung in der Leber. Bei Diabetes Mellitus verbleibt die aufgenommene Glukose dabei im Blut und die körpereigene Neubildung von Glukose in der Leber verläuft ungestört weiter, was beides am Ende zu einem ständigen Anstieg des Blutzuckers führt.

Zudem hat Insulin noch eine weitere Wirkung: Als einziges Hormon sorgt es dafür, dass Körperfett aufgebaut wird und in den entsprechenden Fettdepots verbleibt. Bei einem anhaltenden Insulinmangel kommt es daher auch zu einer extremen Gewichtsabnahme beim Patienten, da diese wichtige Insulinwirkung unterbunden ist.

Besonderheiten bei Diabetes Typ I

Die Entstehung von Diabetes Typ 1 wird als „multifaktorielles“ Geschehen verstanden, also als ein Phänomen, an dem unterschiedlichste Einflüsse beteiligt sind, wobei es sich sowohl um genetische als auch um Umweltfaktoren handeln kann. Charakteristisch für Typ-1-Diabetes ist die zuvor bereits skizzierte ausgeprägte Gewichtsabnahme innerhalb kurzer Zeit, verbunden mit einem ständigem Durstgefühl, häufigem Wasserlassen, mit Erbrechen und gelegentlich in Verbindung mit Wadenkrämpfen und Bauchschmerzen. Generelle Symptome wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Energielosigkeit, Seh- oder Konzentrationsstörungen können hinzukommen.

Besonderheiten bei Diabetes Typ 2

Bei diesem Typ der Diabetes handelt es sich um eine Erkrankung, bei der das Insulin zwar vorhanden ist, allerdings nicht angemessen wirksam wird. Man spricht hier auch von Insulinresistenz. Am Beginn dieser Erkrankung kann die Bauchspeicheldrüse diese Problematik noch durch die Produktion hoher Mengen an Insulin kompensieren. Nach einiger Zeit ist dies aber nicht mehr möglich. Die dann produzierte Insulinmenge ist nicht mehr dazu geeignet, den Blutzuckerspiegel nachhaltig zu kontrollieren. Diabetes Mellitus Typ 2 tritt nun mit seinen negativen Auswirkungen voll zu Tage. Betroffene Patienten produzieren nun viel mehr körpereigenes Insulin als ein gesunder Mensch. Wegen einer hohen Insulinresistenz steigt der Blutzucker nun aber an und es kommt letztlich zunächst zu einem relativen Mangel an Insulin, in einigen Fällen auch zu einem absoluten Insulinmangel.

Noch bis vor wenigen Jahren wurde Diabetes-Typ-2 auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet, weil dieser Typ in den meisten Fällen erst in einem höheren Lebensalter auftrat. Allerdings wird von Experten darauf hingewiesen, dass Diabetes Typ 2 auch bei immer mehr jüngeren Menschen festgestellt wird. Diabetes Typ 2 wird vielfach erst spät erkannt, zudem oft nicht richtig ernst genommen oder nur unzureichend behandelt. Patienten neigen häufig trotz durchaus vorhandener Aufklärung und Schulung zur Verdrängung ihres Leidens, da direkt spürbare Einschränkungen des Wohlbefindens und der Gesundheit erst mit zeitlicher Verzögerung und damit erst dann offen zeigen, wenn sich akute, teils unumkehrbare Schäden bereits festgesetzt haben.

Der entscheidende Faktor für die Entstehung von Diabetes Typ 2 ist genetische Veranlagung. Ein weiterer Faktor ist eine erhöhte körpereigene Glukoneogenese (Zuckerbildung) in der Leber. Ansonsten gilt Übergewicht als Hauptursachen für diesen Erkrankungstyp. Als weitere Faktoren, die für das Aufkommen von Diabetes Typ 2 verantwortlich sind, werden zudem etwa ein Defizit an Mineralien/Spurenelementen, erhöhte Blutfettwerte sowie eine Leber-, Schilddrüsen- oder Nierenfehlfunktion angesehen.

Was kann man tun, wenn man an Diabetes leidet bzw. Diabetes vorbeugen will?

Diabetes Typ 1: Bei Diabetes Typ 1 muss das fehlende Hormon Insulin in Form von speziellen Insulinpräparaten zugeführt werden. Das Ziel dieser Insulintherapie ist dabei nicht die Heilung der Krankheit, sondern der künstliche Ersatz des fehlenden körpereigenen Insulins. Diese Therapie muss kontinuierlich bis ans Lebensende durchgeführt werden. Der normalgewichtige Patient mit Diabetes Typ 1 kann sich dabei im Großen und Ganzen normal ernähren, so lange er seinen Blutzuckerspiegel im Griff hat. Eine ausgewogene Ernährung, die laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) aus etwa 52–53 % Kohlenhydraten, 16–17 % Eiweiß und 28–31 % Fett bestehen sollte, wird dabei auch für Diabetiker empfohlen.

Diabetes Typ 2: Bei Diabetes Typ 2 muss die erhöhte Insulinresistenz unter anderem über eine gezielte Gewichtsabnahme und durch vermehrte Bewegung verringert werden. Die bedeutet für übergewichtige Diabetiker oftmals eine umfassende Lebensstiländerung, zu der etwa mindestens drei Mal in der Woche mindestens 30 Minuten leicht anstrengende Bewegung zählen, um Stoffwechselstörungen wie der Zuckerkrankheit vorzubeugen bzw. diese nachhaltig positiv zu beeinflussen.

Für Patienten gelten zudem die allgemeinen Grundsätze für eine ausgewogene, gesunde Ernährung: Diese muss an den tatsächlichen, individuellen Kalorienbedarf angepasst werden, prinzipiell ballaststoffreich und vollwertig sein und viel frisches Obst und Gemüse umfassen. Als Ernährungsempfehlungen lassen sich zudem folgende Punkte nennen:
– Raffinierte Kohlenhydrate gilt es zu vermeiden.
– Kohlenhydrate insgesamt nur in geringen Mengen zu sich nehmen.
– Koffein und Alkohol nur in sehr geringen Mengen oder gar nicht konsumieren.
– Insbesondere Rohkost, also rohes Gemüse, verstärkt essen.
– Bei Ölen auf Olivenöl, Kokosnussöl oder Fischöle zurückgreifen.

Was die Zufuhr an Vital- und Nährstoffen betrifft, so wird davon gesprochen, dass insbesondere Diabetiker einen erhöhten Bedarf an Vitamin C und Vitamin E haben können, und etwa Vitamin B6 helfen kann, dass Folgeerkrankungen wie mit Diabetes verbundenen nervliche Störungen verhindert werden können.